Archäologisches - Dörpverein

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Archäologisches

Das wars

Vor 6000 Jahren lebten in der Jungsteinzeit im Gebiet an der Weser um Müsleringen die ersten Bauern und Viehzüchter, sesshafte Menschen, mit festen Häusern und Keramik, die mit Steinbeilen den Wald für ihre Felder rodeten. Zuvor gab es hier nur Jäger und Sammler, die als Nomaden durch die dicht bewaldete Region zogen. Zeitgleich herrschten zum Beispiel in Ägypten die Pharaonen über die Hochkultur am Nil.

Ein wichtiger Ort für die Menschen im 4. Jahrtausend vor Christus war ein Erdwerk, aus lang gestreckten, tiefen Gräben, die mit hohem Aufwand in einem Halbrund an einer alten Weserschleife angelegt wurden. Diese heute komplett verfüllte Anlage konnte aus der Luft auf einem Feld Walter Deneckes in Müsleringen im Bewuchs als Linien erkannt werden. Geomagnetische Messungen konnten dies 2010 und 2011 bestätigen. Schließlich wurden im vergangenen Jahr größere archäologische Ausgrabungen angesetzt. Ähnliche Anlagen kannte man bisher nicht von der Mittelweser, der neue Fundpunkt liegt nordwestlich der bekannten Verbreitung. Die Funde in den Gräben zeigen eindeutige Hinweise auf Ackerbau, so gibt besonders das Fragment eines Mahlsteins Rätsel auf, denn er wurde tief unten auf der Sohle des Grabens in 2,5 bis 3 m Tiefe entdeckt. Auch Reste flacher Tonplatten mit randlicher Verzierung sog. Backteller wurden gefunden.

Die Funktion der Gräben ist noch nicht geklärt, u. a. der dort gefundene Mahlstein weist aber auf rituelle Handlungen hin, möglicherweise Opfergaben, wie sie an anderen Erdwerken sicher belegt sind. “Die Menschen tickten damals ganz anders”, so einer der Referenten, der Entdecker des Platzes Herr Freese. Er und die beiden wissenschaftlichen Referenten (Dr. Jens Berthold von der Kommunalarchäologie, Hubertus Sedlaczek von der Uni Hamburg) lieferten im prall gefülltem Müsleringer Feuerwehrhaus am 15.3.2012 den ca. 70 Zuhörern einen spannenden archäologischen Abend. Hierüber freute sich vernehmlich Andreas Schumann als Vorsitzender des veranstaltenden Dorfvereins, der zum Abschluss des Abends die “kriminologische” Arbeit der Archäologen hervorhob und ein herzliches „Auf Wiedersehen“ verkündete. Denn es wird hier weiter geforscht werden: Die nächsten Grabungsarbeiten sind schon fest im Plan. Nach der Ernte in diesem Sommer sollen neue Untersuchungen vermutlich über eine Dauer von vier Wochen stattfinden. Hierüber wird man auf der Internetseite des Dörpvereins Müsleringen ( www.doerpverein.de ) rechtzeitig informiert. Bei der laufenden Grabung wird es dann auch einen Tag der offenen Tür geben.

Bilder rechts: Schaumburger Kommunalarchäologie, Andreas Brümmer


Die Linien im Luftbild gaben den Anstoß

Profil der Grabung und Beteiligte

Der Mahlstein

Es wird bis unter die alte Sohle gegraben

alle Fotos: Dr. Jens Berthold


In der Zeitschrift "Archäologie in Deutschland" erschien hierzu im März 2012 unten abgebildeter Artikel: B. Raminger: Mahlstein auf Grabensohle.

Zum besseren Verständnis die Erklärung folgender Begriffe:
Läufer = Deckstein zum Mahlen von Hand
Silexgerät = Schlaggerät, meistens aus Feuerstein
Trichterbecherkultur, Michelsberger Kultur zeichnen sich durch eigene Stile in der Gestaltung von Keramikgefäßen aus.
Planum = Grabensohle

 
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